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Steuern

“In Dänemark zahlst du doch 50 % Steuern!” – Diesen Satz hörst du von
jedem, dem du von deinen Umzugsplänen erzählst. Und er stimmt…
irgendwie. Aber irgendwie auch nicht.

Ja, die Steuern in Dänemark sind höher als in Deutschland. Aber was
du dafür bekommst, ist anders. Keine Krankenversicherungsbeiträge, keine
GEZ-Gebühren im eigentlichen Sinne, kostenlose Kita (fast), kostenlose
Bildung bis zum Master. Die Gesamtbelastung ist höher, aber der
Unterschied ist kleiner, als die meisten denken.

Lass uns das Steuersystem in Dänemark Schritt für Schritt
durchgehen.


Die Bausteine des
dänischen Steuersystems

In Deutschland gibt es den Einkommensteuertarif. In Dänemark gibt es
mehrere Schichten, die aufeinander aufbauen. Das klingt kompliziert, ist
aber logisch, wenn man es einmal verstanden hat.

1. AM-bidrag
(Arbeitsmarktbeitrag): 8 %

Der AM-bidrag ist der erste Abzug. Er wird von deinem Bruttogehalt
berechnet – vor allen anderen Steuern. Denk an ihn wie
an eine Art Sozialabgabe.

Beispiel: Bruttogehalt DKK 40.000 → AM-bidrag: DKK
3.200 → Berechnungsgrundlage für weitere Steuern: DKK 36.800

2. Bundskat (Staatssteuer): 12,01
%

Die Bundskat ist die staatliche Einkommensteuer. Sie wird auf das
Einkommen über dem Grundfreibetrag berechnet (nach
Abzug des AM-bidrag).

  • Freibetrag (Bundskat): DKK 54.100/Jahr (2026)
  • Alles darüber: 12,01 %

3. Kommuneskat
(Kommunalsteuer): ca. 25 %

Die Kommunalsteuer variiert je nach Wohngemeinde. Der Durchschnitt
liegt bei ca. 25 %, die Spanne geht von ca. 22 % bis 27 %.

Beispiele (2026): – Kopenhagen: 23,38 % – Aarhus:
25,33 % – Sønderborg: 25,70 % – Gentofte: 22,76 %

Die Kommuneskat wird auf das Einkommen über dem
Personfradrag
berechnet.

4. Topskat (Spitzensteuer): 15 %

Die Topskat greift erst ab einem Einkommen von ca. DKK 588.900/Jahr
(2026) – das sind etwa 79.000 € brutto. Nur das Einkommen
über dieser Grenze wird mit 15 % zusätzlich
besteuert.

5. Kirkeskat (Kirchensteuer):
ca. 0,5-1 %

Optional! Du zahlst Kirkeskat nur, wenn du Mitglied der dänischen
Volkskirche (Folkekirken) bist. Als Zugezogener bist du das
normalerweise nicht. Falls du Mitglied werden willst: ca. 0,5-1 %
zusätzlich.

Zusammenfassung:
Was wird wirklich abgezogen?

Steuerart Satz Bemerkung
AM-bidrag 8 % Vom Brutto, vor allem anderen
Bundskat 12,01 % Ab DKK 54.100/Jahr
Kommuneskat ~25 % Variiert nach Kommune
Topskat 15 % Ab DKK 588.900/Jahr
Kirkeskat 0-1 % Nur bei Kirchenmitgliedschaft

Steuerdeckel (Skatteloft): Es gibt einen
Maximalsteuersatz von ca. 52,07 % (inkl. AM-bidrag). Niemand zahlt mehr
als das.


Der Personfradrag: Dein
Freibetrag

Der Personfradrag (Grundfreibetrag) beträgt DKK 50.500/Jahr
(2026)
. Einkommen bis zu dieser Grenze wird nicht mit
Kommuneskat besteuert.

Das ist weniger als der deutsche Grundfreibetrag (ca. 12.000 €), aber
dafür sind viele Leistungen in Dänemark bereits durch Steuern abgedeckt,
für die du in Deutschland extra zahlst.


Rechenbeispiel: Was
bleibt wirklich übrig?

Ausgangslage: Gehalt DKK 40.000/Monat (ca. 5.400 €),
Kommune Kopenhagen (23,38 %), kein Topskat, keine Kirchensteuer.

Position Betrag/Monat
Bruttogehalt DKK 40.000
AM-bidrag (8 %) – DKK 3.200
Berechnungsgrundlage DKK 36.800
Personfradrag (monatlich) DKK 4.208
Steuerpflichtiges Einkommen DKK 32.592
Bundskat (12,01 %) – DKK 3.914
Kommuneskat (23,38 %) – DKK 7.620
Netto (ca.) DKK 25.266
Effektiver Steuersatz ca. 36,8 %

In Euro: Ca. 3.400 € netto bei ca. 5.400 €
brutto.

Zum Vergleich: In Deutschland hättest du bei ähnlichem Brutto
(Steuerklasse I, keine Kirchensteuer) ca. 3.200 € netto – aber davon
gehen noch Krankenversicherung, Pflegeversicherung und ggf. GEZ ab. Der
effektive Unterschied ist geringer als die Zahlen vermuten lassen.


skat.dk: Die wichtigsten
Funktionen

Forskudsopgørelse
(Steuervoranmeldung)

Die Forskudsopgørelse schätzt deine Steuern für das aktuelle Jahr.
Auf dieser Basis berechnet dein Arbeitgeber den monatlichen
Steuerabzug.

Wichtig: Halte die Forskudsopgørelse aktuell! Wenn
du eine Gehaltserhöhung bekommst, Nebeneinkünfte hast oder sich deine
Situation ändert – sofort bei skat.dk aktualisieren. Sonst zahlst du zu
viel (und wartest auf die Erstattung) oder zu wenig (und musst
nachzahlen).

Årsopgørelse
(Jahresabrechnung)

Die Årsopgørelse ist das dänische Pendant zur deutschen
Steuererklärung – nur viel einfacher. skat.dk füllt die meisten Felder
automatisch aus (Gehalt, Zinseinnahmen, Freibeträge). Du musst nur
prüfen und ggf. ergänzen.

Zeitplan: – Ab Mitte März: Årsopgørelse wird
freigeschaltet – Bis 1. Mai: Frist für Änderungen – Ab Juli: Erstattung
oder Nachzahlung

Ausführlicher Artikel:
Årsopgørelse ausfüllen →

Fradrag: Absetzbare Kosten

In Dänemark gibt es weniger Abzugsmöglichkeiten als in Deutschland,
aber einige wichtige:

  • Befordringsfradrag: Pendlerpauschale, wenn dein
    Arbeitsweg mehr als 24 km (einfach) beträgt
  • Rentefradrag: Zinsen auf Kredite (z.B.
    Immobilienkredit)
  • Fagforening: Gewerkschaftsbeitrag (begrenzt
    abzugsfähig)
  • A-kasse: A-kasse-Beitrag
  • Håndværkerfradrag: Handwerkerleistungen im Haushalt
    (periodisch verfügbar)

Ausländische Einkünfte
melden

Als Deutscher in Dänemark hast du möglicherweise noch Einkünfte in
Deutschland:

Deutsches Depot /
Kapitalerträge

  • Kapitalerträge aus deutschen Depots müssen in Dänemark in der
    Årsopgørelse angegeben werden
  • Die deutsche Abgeltungssteuer (25 %) wird als Quellensteuer
    angerechnet
  • Depots über 100.000 DKK: Meldepflicht bei skat.dk

Mieteinnahmen aus
Deutschland

  • Werden in Deutschland besteuert (beschränkte Steuerpflicht)
  • Müssen in Dänemark gemeldet werden, aber DK rechnet die deutsche
    Steuer an (DBA)
  • Du zahlst nicht doppelt

Deutsche Rente

  • Die gesetzliche deutsche Rente wird in Deutschland
    besteuert (Quellland nach DBA)
  • Betriebliche/private Renten werden in Dänemark
    besteuert
  • Beides muss in der dänischen Steuererklärung angegeben werden

Mehr zur Rente →


Steuer-Tipps für Deutsche
in Dänemark

  1. Forskudsopgørelse sofort beantragen – Sonst 55 %
    Steuereinbehalt
  2. Forskudsopgørelse aktuell halten – Lieber einmal zu
    oft aktualisieren als einmal zu wenig
  3. Årsopgørelse prüfen, nicht blind akzeptieren
    skat.dk macht Fehler, besonders bei ausländischen Einkünften
  4. Befordringsfradrag nutzen – Wenn du mehr als 24 km
    einfachen Arbeitsweg hast, vergiss das nicht
  5. A-kasse-Beitrag absetzen – Wird automatisch
    berücksichtigt, aber prüfen
  6. Deutsche Einkünfte melden – skat.dk weiß nicht, was
    du in Deutschland verdienst. Du musst es melden.
  7. Reservepolster anlegen – DKK 10.000-20.000 für
    eventuelle Steuernachzahlungen

Checkliste: Steuern in
Dänemark


  • Steuerkarte beantragen (sofort nach CPR)

  • Forskudsopgørelse ausfüllen

  • Trækprocent prüfen

  • Ausländische Einkünfte melden

  • Årsopgørelse im März prüfen

  • Fradrag (Absetzbeträge) nutzen

  • Letzte deutsche Steuererklärung einreichen

Weiterführend


Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und
ersetzt keine individuelle Steuerberatung. Bei komplexen steuerlichen
Situationen (ausländische Einkünfte, Immobilien, Selbstständigkeit)
empfehlen wir einen Steuerberater mit deutsch-dänischer Expertise.
Quellen: skat.dk, DBA
Deutschland-Dänemark